Bologna FC 1909 - AS Roma (Serie A, Stadio Renato Dall’Ara, 22.09.2019) 



Bereits mehre Kilometer vor dem Stadion war alles zugeparkt. Autos standen auf dem grünen Mittelstreifen der Schnellstraße, im Kreisverkehr und auf jeder freien Fläche. Ich setze mein Glück aufs Spiel und fuhr immer weiter Richtung Stadio Dall’Ara. Die Seitenstraßen in Stadionnähe waren durch die Polizei gesperrt, zumindest die, in die man theoretisch hineinfahren durfte. Nicht jedoch die Einbahnstraßen mit “Einfahrt Verboten” Schildern. 

Kurzerhand bog ich ab und war wieder auf Kurs. Die mir entgegenkommenden Italiener zeigten mir nen‘ Vogel, aber fokussiert auf die Sache, bahnte ich mir meinen Weg. - Ford schlägt halt Fiat -. Dann sah ich einen freien Parkplatz am Rande der Straße und Zack, ab in die Lücke. Motor abgestellt, den Blick erhoben und was sehe ich... direkt über die Straße 30 Meter entfernt den Stadioneingang - Sachen gibt‘s!

Noch schnell das günstigste Ticket für 40 € (!!!) in der Curva San Luca geangelt und ab ins weite Rund. Bombastisch! Ein richtig geiles Ding mit altem Turm, verziertem Stahl, der die Ränge stützte und einem alten Stadiondach über der Haupttribüne - das charmanteste Stadion bisher. 


Genau zum Anpfiff um 15:00 stieg ich die Treppen hinauf, links neben mir der Gästeblock mit den Fans aus der Hauptstadt und gegenüber die Curva Bulgarelli der Heimfans. Die Roma mit einem überzeugenden Auftritt sowohl auf den Rängen, als auch auf dem Feld. Permanent wurden kleine Fähnchen geschwenkt und Passione gezeigt. Erst beim 0:1 für die Roma Anfang der zweiten Hälfte merkte ich, dass ich mich genau zwischen Heim und Auswärtsfans befand. Beim Jubelschrei der drei bis viertausend Rot-Gelben wurde ich fast die Reihen mit hinuntergerissen. 


Das untere Drittel des Gästeblocks supportete durchgängig. Die Heimkurve war auch voll, der Support kam aber meist nur von gut 150 – 200 Ultras, die in vielen Gruppen zerstreut in der Kurve standen. Darunter die Jungs vom Settore Ostile, die immer wieder Böller in das Mundloch unter ihnen warfen, sodass sogar eine Zaunfahne abfiel und wieder aufgehangen werden musste. Zudem die Fahne “Forever Ultras” und die Freak Boys mit einem Marihuana Blatt als Logo. Nach dem Ausgleich gelang der Roma in allerletzter Sekunde der Siegtreffer durch einen Kopfball von Džeko zum 1:2, welcher frenetisch von der Gästekurve gefeiert wurde. 


Im Anschluss an das Spiel überprüfte ich noch schnell, ob das Auto noch stand, wo ich es abgestellt hatte - man kann ja nie wissen - und nahm dann einen Bus in die Altstadt von Bologna - centro storico -. 


Nach dem Ausstieg nutze ich die Kartenapp auf meinem Mobilfunkgerät, um in den engen verkehrsberuhigten Gassen zurecht zu kommen. Dabei musste ich mich mehrmals neu orientieren, weil das GPS mich verarschen wollte. Schließlich erreichte ich jedoch den belebten zentralen Platz - Piazza Maggiore - mit der Basilika San Petronio. Nach einer kurzen Stippvisite in der riesigen Kathedrale, schlenderte ich auf der Suche nach einer Pizzeria an Straßenmusikern vorbei, die Hauptstraße hinunter. 

Fündig wurde ich in einem kleinen Laden, der einzelne Pizzastücken verkaufte: “Ciao, cinque pezzi di pizza con ist mir egal e pronto, per favore. ” Am Ende erhielt ich irgendwelche fünf Pizzastücken für 8,20 €, die gerade in der Auslage lagen und einen guten Eindruck machten. Schmeckte aber auch ganz gut. Zum Nachtisch gab es noch ein gelato con frutti di bosco. 


Anschließend suchte ich einen Supermarkt auf und kaufte latte für den nächsten Morgen und geröstete Pistazien. Um zu meinem Gefährt zurück zu gelangen, nahm ich nun die -14- zum Stadio. Ich verließ Bologna gen Apenninen Gebirge und schlug in der Nähe eines Flusses mein Nachtlager auf. Leider konnte ich nicht ganz, wie ursprünglich geplant, bis zum Fluss fahren, da mir ein Bauzaun den Weg versperrte. Bei strömendem Regen mitten im Nirgendwo, wo nur ein paar einzelne Kühe muhten, schlief ich nach diesem Abend ein. 


Pünktlich um 10:52 begannen die Bauarbeiter, mich beim Frühstück zu stören. Die erhoffte Aussicht am Morgen versperrten mir zudem noch dichte Nebelwolken. Fix Morgenpflege betrieben und woanders hin. Hier ist es nicht so schön wie erhofft, aus dem Baden im Fluss wurde durch die Baustelle leider auch nichts. So suchte ich mir spaßeshalber auf der Karte einen vermutlich hochgelegenen Punkt in Richtung Florenz aus und fuhr drauf los. Irgendwann klang ein Straßenschild auf meinem Weg besonders interessant, sodass ich einfach mal links abbog und einen Berg hinauffuhr. Aus der Asphaltstraße wurde Schotter und das Navi bleekte in einer Tour: “Bitte wenden!!!”. 


Einige Zeit später fuhr ich an einer Gruppe von Schülern vorbei, die bei „bestem“ Regenwetter ihren Schulausflug genossen. Hier oben musste es doch etwas geben ... 


Eine Weile später fand ich Ruinen vor und etwas weiter noch ein Hinweisschild auf die italienische Partisanengruppe - gruppo di partigiani Stella Rossa (Roter Stern) -, welche hier oben auf dem Monte Sole ihre Basis betrieb und den Besatzern aus Nazideutschland, sowie der faschistischen italienischen Regierung in den Tälern bis zum Jahre 1944 zusetzte. 


Vom 29. September bis zum 5. Oktober 1944 zerschlugen deutsche Truppen den Widerstand und ermordeten in der Region 770 Personen, vor allem unschuldige Frauen, Ältere und Kinder. Bis heute leben auf dem Monte Sole kaum noch Menschen. Ich erklomm auch noch den Gipfel des Berges und fand dort ein Denkmal vor, bevor mich ein starker Regenguss überraschte. Stolpernd lief ich den Berg wieder hinab zum Auto. Die Wetterapp versprach 24 Grad Celsius und Sonnenschein an der Küste, sodass ich mich entschied “Bella Ciao” zu sagen und Partigiani und Apenninen hinter mir zu lassen. 


Nach mehrmaligem Falschfahren bei Pisa-Nord fand ich schließlich den richtigen Abzweig und erreichte nach 150 Kilometern und fast zwei Stunden Fahrt den kilometerlangen Sandstrand bei der Marina di Vecchiano zwischen Livorno und La Spezia an der Mittelmeerküste. Unweit liegt auch Massa. Die Ultras des dortigen Serie D - Vereins “U.S. Massese 1919” unterhalten eine Freundschaft zu den Erfordia Ultras. Bei meinem Besuch des Thüringen Derbys vor ein paar Jahren waren auch Ultras aus Massa anwesend. Für einen Besuch der Stadt war leider keine Zeit, da ich den fast menschenleeren Strand und die Wellen genießen wollte. Auf einem Parkplatz nur 100 Meter vom Meer entfernt, schlug ich mein Nachtlager auf. Zum Abendessen gab es Nudeln mit Tomatensauce an Curry Wurst à la Gaskocher. 

Den Beginn des nächsten Tages verbrachte ich mit Sonnen und Baden am Strand. Frühstück und Mittagessen gab es nur fünf Meter vom Meer entfernt auf einem angespülten Stück Holz. Gegen 14:00 machte ich mich auf den Weg zu meiner nächsten Unterkunft, die mich für zwei Nächte beherbergen sollte. Ausgestattet mit einer kleinen Küche, konnte ich mich dort gehobener verpflegen. Vor meiner Fahrt nach Pisa deckte ich mich im örtlichen Supermarkt ein. 

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