Torino FC - AC Milano (Serie A, Stadio Olimpico di Torino, 26.09.2019) 

 

 

Am Stadio Olimpico angekommen, ließ ich mich von den Massen treiben und versuchte,  den, von Domenico Mungo in seinem Buch „Streunende Köter “ beschrieben, (ehemaligen) Treffpunkt der Ultras Granata 69 zu finden. Schwieriges Unterfangen, sind die Geschehnisse doch schon mehr als 20 Jahre her. 

Kurz bevor ich meinen Eingang erreichte, zog ein Tross Torino Ultras singend an mir vorbei. Die „Alta Tensione“, was so viel wie „Starkstrom“ bedeutet, sind eine abgespaltene, etwa 60-köpfige Gruppe aus der Curva Maratona, wie mir deren Mitglieder G. und S. nach dem Spiel berichteten. 

Die Curva Maratona auf der gegenüberliegenden Seite meines Sitzplatzes zeigte zu Spielbeginn eine Choreografie, war jedoch während des Spiels, aufgrund der 3.500 Tifosi der Curva Sud Milano im Gästebereich und eben jener „ Alta Tensione“ von meinem Standort aus akustisch nicht zu vernehmen. 

Die beiden nebeneinander stehenden Gruppierungen tauschten während des gesamten Spiels Nettigkeiten aus – „Milano Vaffanculo!“ - und die gesamte Kurve gegenüber der eigentlichen Ultra-Kurve stieg allzu oft mit ein - „Tutta la Curva!“. 


Das Spiel endete unter Pöbeleien mit einem überraschenden 2:1 für die Granata. Ich verließ das Stadion gemeinsam mit der “Alta Tensione” und verabschiedete mich draußen von G. und S. 


Am nächsten Tag stand mir eine Fahrt von 450 Kilometern in den Touriort Bibione  an der Adriaküste bevor. Ich erreichte den Sandstrand zwischen Venedig und Triest gerade noch rechtzeitig, um mich im Licht der letzten Sonnenstrahlen in das flache Wasser der Lagune zu stürzen. Anschließend schlenderte ich durch den Badeort, der in der Hochsaison 100.000 Betten bietet, aber nun Halb-Verlassen da lag. 

Mein Nachtlager fand ich in dieser Nacht wieder im Auto unter einem Carport nur wenige Meter vom Strand entfernt. Der frühe Wecker, der dafür sorgen sollte, dass ich vor dem Erwachen der Bewohner des anliegenden Wohnblockes das Auto 

umparken konnte, wurde konsequent ignoriert. Nach dem Aufstehen verbrachte ich noch zwei Stunden am Strand und fuhr dann, die Landstraßen wählend, weiter bis in die slowenische Hauptstadt. Durch Wald, Wiesen und enge Schluchten erschien mir Slowenien wie ein südlicher Ableger Österreichs mit seinem doch ganz eigenen Westbalkan-Charakter. 

 

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