US Cremonese – FC Crotone (Serie B, Stadio Giovanni Zini, 21.09.2019) 

 

Etwa eine Stunde vor Spielbeginn in Cremona erreichte ich die 72.000 Einwohner zählende Geigenbauerstadt 65 Kilometer südlich des Gardasees. In der Nähe des Stadions fuhr ich an einem Pub vorbei, vor dem bereits etwa 50 Ultras standen und sich auf das Spiel vorbereiteten. Auf einem Parkplatz in der Nähe des Stadions stellte ich meine Kutsche ab und sah mich erst einmal um. 


Heruntergekommene Wohnhäuser standen an der vielbefahren Hauptstraße und auf der anderen Seite des Parkplatzes war bereits das Stadion zu erkennen. Hohe Flutlichtmasten ragten über barackenähnlichen, graffitiverzierten Häusern auf. Über den zubetonierten Stadionvorplatz liefen schon die Fans der Heimmannschaft mit rot-grauen Schals in Richtung des Eingangs. Ich erwarb nun auch meine Eintrittskarte für anständige 12€ am Rande der Haupttribüne. Ich setzte mich unmittelbar neben die Heimkurve, um die Sache aus der Nähe begutachten zu können. Gesprächsversuche meines älteren Sitznachbarn musste ich leider mit “Scusa, non parlo italiano” abweisen. 

Die Heimkurve war sehr gut aufgelegt. Gut 300 Ultras verzauberten mich mit den ersten italienischen Gesängen seit meinem letzten Spiel in Salerno. 

“Oh Cremoné, oh Cremoné” 


Dazu ein einzelner Bengalo, der wie schon in Neapel einfach im Block fallengelassen wurde. 


Im Gästeblock, spärlich mit gut 200 Fans aus dem weit entfernten Kalabrien gefüllt, wurde hingegen roter Rauch gezündet. Die mitgereisten knapp 50 Crotone Ultras wussten mit vielen einfallsreichen Gesängen, wie einer Version von “The Lion sleeps tonight”, zu überzeugen. Das 20.000 Zuschauer fassende Stadion war zu einem Drittel gefüllt. 

Nach Spielende fuhr ich weiter zur ersten Unterkunft an der Autostrada zwischen Mailand und Bologna. Die gebuchte Unterkunft an der Kreuzung eines kleinen Dorfes schien verlassen. Heruntergelassene Rollos, verschlossene Türen, keine Autos. Doch ein kurzer Anruf à la “Ciao, registrazione” mit der Antwort “Sì, cinque minuti” reichte, dass mir jemand nach bereits drei Minuten die Tür öffnete. 

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